„Wollen wir einen Kaffee trinken gehen?“
geschrieben von JULIJA COTIČ
So verhandeln wir meist mit unseren Freunden und Bekannten, wenn wir uns auf einen Kaffee einladen. Mindestens drei Ebenen unserer Sprache verbergen sich in dieser kurzen Frage: Slowenisch, der Primorje-Halbvokal und das italienische „caffè“. Der Satz zeigt deutliche sprachliche Einflüsse, ein Symptom klarer und deutlicher Assimilation, denn die Einladung folgt nicht allen grammatikalischen Regeln: Statt des Duals steht der Plural, der slowenische Satz enthält ein Lehnwort, während der zweite Satz in der Muttersprache ausgesprochen wird. Doch genau hier offenbart sich das wahre Bild unserer Sprache. Eine solche Einladung entsteht in einem entspannten, ehrlichen Gespräch, in dem wir, die Sprecher, uns so ausdrücken, wie wir leben.
Doch wir können darin mehr erkennen als nur die Anpassung an die Mehrheitssprache. Es ist nicht bloß eine Frage, sondern ein kleiner, alltäglicher Beweis für ein tieferes, jahrhundertealtes Zusammenleben. In meinen Augen ist dies das Echo eines Raumes, der nicht durch scharfe Grenzen geteilt ist, sondern seine Merkmale zu einer wahren Perle verwebt. Ich lebe im Karst, der sich vom Meer bis zur Brda erstreckt, von wo aus der Blick auf die schneebedeckten Alpen endet. Diese geographische Vielfalt ist ein wahres Beispiel für ein wunderschönes Mosaik. Und genau so ist auch die sprachliche Zusammensetzung unserer Umgebung: nicht eintönig, sondern vielschichtig, dynamisch und lebendig. Jedes Detail ist kostbar, einzigartig und der Beachtung wert.
Wenn ich diese geografische Karte genauer betrachte, bewundere ich auch mit Begeisterung den sprachlichen Regenbogen, der sich darüber erstreckt.
Ich bin der festen Überzeugung, dass das intimste Zeichen einer Kultur die Sprache ist, genauer gesagt das Mittel, mit dem wir ausdrücken, was wir fühlen und wer wir sind. Allzu oft betrachten wir sie lediglich als praktisches, funktionales Kommunikationsmittel, etwas Selbstverständliches, obwohl sie in meinen Augen etwas zutiefst Faszinierendes ist: Sie besteht aus einer mehr oder weniger begrenzten Anzahl von Wörtern, die in unendlichen Kombinationen unzählige Bedeutungen, Emotionen, Weltanschauungen und Identitäten hervorbringen.
Ich bin glücklich, dass ich mich der Welt in meiner eigenen Sprache präsentieren kann, authentisch und ursprünglich. Noch schöner ist, dass ich hier auch Italienisch sprechen kann und dabei friaulische, triestnische Dialekte und eine slowenische Variante mit grenzüberschreitendem Akzent aufnehme. All das verleiht meiner Identität immer wieder neue Facetten und vertieft gleichzeitig meine Liebe zum Slowenischen. Es ist ein unschätzbarer Reichtum unserer Region, ein Schatz, dessen wir uns noch zu wenig bewusst sind. Wir wissen, dass er existiert, aber er bleibt oft verborgen.
Was wäre, wenn wir diesen Schatz endlich bergen würden? Was wäre, wenn wir fest daran glaubten, dass Vielfalt uns nicht schwächt, sondern stärkt? Dass in den Kindergärten entlang unserer Soča jedes Kind wüsste, wie man nach „etwas Wasser“, „un po‘ d’acqua“ oder „pocje d’aghe“ fragt? Dass Schülerinnen und Schüler in jeder Schule in Gorizia über Aškerec und Gregorčič, Saba und D’Annunzio sprechen würden, sowohl auf Slowenisch als auch auf Italienisch? Daraus könnte eine wahre Schmiede junger Menschen der Zukunft entstehen, geprägt von noch lebendigerer Fantasie, Kreativität, Neugier und Liebe zu ihren eigenen Wurzeln.
Ich stelle mir Sprachen oft wie Farben vor: jede mit ihren eigenen Nuancen, Regeln und Mustern. Zusammen bilden sie ein Mosaik, das gerade deshalb so schön ist, weil jede Farbe ihre eigene Identität bewahrt. Deshalb ist es wichtig, jede Sprache einzeln zu pflegen, die eigene zu hegen und gleichzeitig andere kennenzulernen, die im selben oder einem benachbarten Garten wachsen.
Ich weiß sehr wohl, dass „Gremo n caffè?“ ein Zeichen von Assimilation, Anpassung und einer oft unbewussten und nachlässigen Haltung gegenüber der Sprache ist. Ich möchte jedoch betonen, dass die Pflege einer reinen, authentischen Sprache das Leitprinzip meines Alltags, meines aktiven Engagements in verschiedenen slowenischen Sport- und Kulturvereinen und letztlich der Grund für mein Slowenischstudium ist. Dieser Artikel soll nicht die Schaffung einer Art „Esperanto“ propagieren, was zweifellos die Einzigartigkeit, wenn nicht beider Sprachen, so doch sicherlich der deutlich schwächeren Sprache, verleugnen würde. Die Verflechtung unserer Kulturen ist unvermeidlich; sie verschmelzen innerhalb der eigenen vier Wände auf einer so intimen Ebene wie der Sprache. Ich möchte jedoch hervorheben, dass diese Kontakte eine Bereicherung für alle Bewohner unserer Region sein können.
Deshalb wünsche ich mir, dass dieser Prozess nicht einseitig verläuft. Dass die Verflechtung der Sprachen nicht das allmähliche Verschwinden der einen bedeutet, sondern vielmehr ihre Sichtbarkeit, Wertschätzung und Präsenz neben der anderen. Ein konkretes Beispiel dafür findet sich in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, als die Menschen in Görz jeweils ihre eigene Sprache sprachen und sich dennoch gut verstanden, obwohl damals noch Deutsch gesprochen wurde. Die Europäische Kulturhauptstadt entstand aus der Idee, Brücken zu bauen und Grenzen abzubauen, obwohl die Freundschaft zwischen zwei Städten meiner Meinung nach leider allzu oft auf der Arbeit von Übersetzern beruhte. Ich wünsche mir, dass das Prinzip der Grenzenlosigkeit auch auf sprachlicher Ebene verinnerlicht wird. Dass die Sprache nicht länger das erste, instinktive Hindernis zwischen Mitbürgern darstellt, sondern vielmehr eine Brücke ist, über die wir aufeinander zugehen.
Deshalb wünsche ich mir, dass alle Bewohner der Soča-Region den verschiedenen sprachlichen Einflüssen in ihren Straßen mit Neugier begegnen, so wie sie die geografische Vielfalt unserer Region bewundern. Dass sie die Sprache ihrer Nachbarn nicht als fremd, sondern als Bereicherung und Chance für tiefere Beziehungen wahrnehmen. Dass der Geist wahrer Freundschaft in alltäglichen Einladungen zum Kaffee ebenso spürbar wird wie in institutionellen Kooperationen: auf Slowenisch, Italienisch, Friaulisch oder in deren spontaner Verschmelzung. Als stilles, aber beständiges Zeugnis eines Ortes, an dem Vielfalt kein Hindernis, sondern Lebensart ist.