MONFALCONE UND DER TAG DER MUTTERSPRACHE: ZWISCHEN HISTORISCHEM ERINNERUNGSVERMÖGEN UND UNVOLLSTÄNDIGER INTEGRATION

MONFALCONE UND DER TAG DER MUTTERSPRACHE: ZWISCHEN HISTORISCHEM ERINNERUNGSVERMÖGEN UND UNVOLLSTÄNDIGER INTEGRATION

von PAOLA BARBAN

Am 21. Februar feiern viele Einwohner von Monfalcone den Internationalen Tag der Muttersprache, der von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen wurde, um Mehrsprachigkeit und den Respekt vor einheimischen Sprachen zu fördern. Für die bangladeschische Gemeinschaft hat dieser Tag eine besonders tiefe Bedeutung: Er erinnert an die Ereignisse von 1952, als im damaligen Ostpakistan (dem heutigen Bangladesch) Studenten und Zivilisten unterdrückt und getötet wurden, weil sie das Recht forderten, Bengali zu sprechen und zu lernen. Die Zentralregierung verweigerte ihnen damals den Status von Bengali als Amtssprache. Genau aus dieser historischen Tragödie entstand Jahre später die internationale Anerkennung des Wertes der Muttersprache.

Das Verständnis dieses historischen Kontextes ist entscheidend, um zu begreifen, warum die bangladeschische Gemeinschaft diesen Tag mit solcher Überzeugung feiert. Im speziellen Kontext von Monfalcone verdeutlicht der Jahrestag jedoch einen eklatanten Widerspruch, der die öffentliche Debatte vor Ort seit Jahren befeuert: die nach wie vor weit verbreitete Schwierigkeit eines beträchtlichen Teils der ausländischen Bevölkerung, Italienisch zu lernen und anzuwenden, obwohl sie dauerhaft in Italien leben.

Laut Daten vom 1. Januar 2025 leben 9.832 ausländische Staatsbürger in der Gemeinde Monfalcone, was etwa 32,4 % der Gesamtbevölkerung entspricht. Davon sind 5.677 Staatsbürger Bangladeschs, was 57,7 % der gesamten ausländischen Bevölkerung ausmacht. Angesichts der Gesamtbevölkerung der Stadt von rund 30.000 Einwohnern stellt die bangladeschische Gemeinschaft allein etwa 18–19 % der gesamten Gemeindebevölkerung dar – eine bedeutende Bevölkerungsgruppe mit sowohl großer zahlenmäßiger als auch sozialer Bedeutung.

Das Problem liegt nicht in der Wertschätzung der eigenen Muttersprache an sich. Die eigenen kulturellen Wurzeln zu pflegen, insbesondere angesichts einer Geschichte sprachlicher Unterdrückung, ist legitim und verständlich. In einer demokratischen Gesellschaft kann Mehrsprachigkeit sogar ein Gewinn sein. Die entscheidende Schwierigkeit entsteht, wenn die Verteidigung der eigenen Sprache nicht mit einem ausreichenden Engagement für das Erlernen der Sprache des Gastlandes einhergeht, die nach wie vor das grundlegende Werkzeug für Kommunikation, friedliches Zusammenleben und die Teilhabe am öffentlichen Leben darstellt.

Laut vieler Beobachter und Anwohner hat sich die Situation in den letzten Jahren nicht verbessert, sondern in mancher Hinsicht sogar verschlechtert. Eine bedeutende Rolle spielten dabei auch einige islamische Zentren, die Orte der Begegnung und des kulturellen Austauschs hätten werden können, in der Praxis aber hauptsächlich Räume für interne Zusammenkünfte blieben. Da sie fast ausschließlich von Angehörigen derselben Gemeinschaft und Sprache besucht wurden, verstärkten diese Einrichtungen oft ein abgeschottetes soziales Umfeld, anstatt das Erlernen der italienischen Sprache und die Offenheit gegenüber der lokalen Kultur zu fördern.

Dieser Rückzug sollte nicht nur als Willensschwäche, sondern auch als Ausdruck einer erheblichen kulturellen Distanz interpretiert werden. Die italienische Lebensweise – säkularer, individualistischer, geprägt von offenen sozialen Beziehungen, Geschlechtergleichstellung und persönlicher Autonomie – kann für Menschen mit traditionellerem kulturellem und religiösem Hintergrund sehr fremd, mitunter schwer verständlich oder sogar beängstigend sein. In diesem Sinne kann der Rückzug in die Gemeinschaft auch eine Abwehrreaktion auf eine als destabilisierend empfundene Veränderung darstellen.

Eines bleibt jedoch klar: Italienischkenntnisse sind weder optional noch ein kulturelles Zugeständnis. Sie gehören zur Verantwortung all jener, die sich entscheiden, dauerhaft in Italien zu leben. Ohne eine gemeinsame Sprache sind Integration, Teilhabe und ein wirklich gemeinsames Zusammenleben nicht möglich.

Für Monfalcone könnte die Feier am 21. Februar daher nicht nur ein Moment des historischen Gedenkens und der Anerkennung der einheimischen Sprachen sein, sondern auch eine Gelegenheit, einen Grundsatz zu bekräftigen: Die eigene Sprache zu verteidigen ist ein Recht, die Sprache des Landes zu lernen, in dem man lebt, ist eine Pflicht. Nur durch die Verbindung dieser beiden Aspekte ist es möglich, eine geeinte, offene und zukunftsorientierte Gemeinschaft aufzubauen.